Venezuela und der Petro – Die Rettung eines dysfunktionalen Finanzsystems?

 

Vor wenigen Tagen machte der venezuelanische Staat wieder auf seine eigene Kryptowährung Petro aufmerksam. Wie eine lokale Nachrichtenagentur berichtet, fordert Venezuela die OPEC dazu auf, den Petro als Zahlungsmittel für den weltweiten Rohöl-Handel anzuerkennen. Ab 2019 soll Erdöl aus Venezuela nur noch per Petro gehandelt werden. Regierungsvertreter sind davon überzeugt, dass die Kryptowährung dem Staat aus der Krise verhelfen kann. Doch kann ein solch dysfunktionales Finanzsystem tatsächlich mit einer Kryptowährung gerettet werden?

Venezuela steht nicht allein vor dem Abgrund

Einige Staaten haben aufgrund fehlenden Vertrauens in die Staatswährung, fehlender Geldmengensteuerung, schleichender Umverteilungsprozesse, Hyper-Inflationen von über 50 Prozent und extremer Verschuldungsraten mit massiven Währungsproblemen zu kämpfen. Zu diesen Staaten zählen insbesondere die südamerikanischen Staaten Argentinien, Mexiko, Venezuela, Bolivien und Chile. In diesen Staaten stehen steigende Arbeitslosigkeit und die damit einhergehende Flucht in kriminelle Geschäfte auf der Tagesordnung. Ursache für diese dysfunktionalen Finanzsysteme liegen unter anderem im mangelnden Vertrauen der Bevölkerung in Politik, Geldwesen und wirtschaftliche Zukunft der Länder, was wiederum zu einer Flucht aus der landeseigenen Währung in starke Fremdwährungen wie dem US-Dollar führt. Weitere wichtige Ursachen sind Korruption, Mängel im Steuersystem, Mängel in der Bildungspolitik und in der unkontrollierten Staatsverschuldung.

Die Regierungen versuchen, jedoch ohne Erfolg, die Kapitalflucht in Fremdwährungen mit Kapitalverkehrskontrollen zu verhindern. So entstehen Schwarzmärkte, die völlig andere als die von der Regierung angestrebten offiziellen Wechselkurse anbieten. Interessanterweise stellen hierbei gerade die regulierten Bankenwege ein großes Problem dar:

„Empfangen beispielsweise Argentinier Zahlungen aus dem Ausland auf dem regulierten Bankenweg, bedeutet das nicht nur Papierkrieg und Wartezeit, die Fremdwährung wird auch mit dem offiziellen – also niedrigen – Kurs in Pesos umgerechnet.“[1]

Logo der Kryptowährung

Logo der Kryptowährung „Petro“

Dass die Menschen sich deshalb neue Wege für internationale Zahlungen und Währungsumtausch suchen, ist also nicht verwunderlich. Eine Lösung für diesen „finanziellen Teufelskreis“ kann in der Nutzung von Kryptowährungen liegen. Durch die alternative Zahlungseinheit entfallen logistische Beschränkungen, und die strengen Kapitalverkehrskontrollen bezüglich Fremdwährungen können aufgehoben werden. Ein interessantes Beispiel hierfür ist Ecuador. Das südamerikanische Land musste aufgrund einer Hyperinflation im Jahr 2000 seine landeseigene Währung, den Sucre, für den US-Dollar aufgeben. Seit Juli 2014 erlaubte ein Landesgesetz, dass die Zentralbank digitales Geld schaffen darf. Seit März 2015 kann in Ecuador mit dem Dinero Electrónico, der ersten offiziell anerkannten Digitalwährung in einem Land, bezahlt werden. Um die Funktionsweise zu erhalten, wird der Dinero Electrónico von der ecuadorianischen Zentralbank verwaltet und braucht als realen Gegenwert weiterhin die Währung US-Dollar.

Auch Venezuela ist geprägt von massiven Finanzproblemen bis hin zu Hungersnöten. Die Wirtschaft ist stark abhängig vom Erdölexport. Die venezolanische Regierung hat deshalb Anfang des Jahres 2018 ihre eigene Kryptowährung, Petro, ins Leben gerufen. Ein interessanter Fakt ist, dass die Kryptowährung an einen Rohstoff gekoppelt ist. Jeder Petro ist laut Regierungsangaben mit einem Barrel Rohöl des Landes besichert. Anvisiert wurde durch diesen staatlichen ICO der Verkauf von 100 Millionen Petro zu jeweils etwa 60 Dollar und dadurch eine Einnahme von knapp sechs Milliarden Dollar für Venezuela. Einige Unstimmigkeiten existieren jedoch noch. So ist es ist beispielsweise fragwürdig, ob ein Besitzer dieser Kryptowährung tatsächlich rechtliche Ansprüche auf das Rohöl gegenüber dem Staat geltend machen kann. Die Einsatzmöglichkeiten als Zahlungsmittel sind überschaubar gering. Bis auf staatliche Einrichtungen wird der Petro kaum akzeptiert. Des Weiteren ist nach wie vor unklar, ob der Petro zukünftig auf der Ethereum- oder NEM-Blockchain basieren wird. Ethereum und NEM sind Kryptowährungen, welche die eigene Blockchain für andere Kryptowährungen zur Verfügung stellen.

Fußnoten

[1] Sixt, E. (2017). Bitcoins und andere dezentrale Transaktionssysteme. Blockchains als Basis einer Kryptoökonomie. Wiesbaden: Springer Gabler.
 S. 79.

 

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