Kryptowährungen – Hier sind mögliche Anwendungsgebiete

 

Öffentliche Verwaltung

Für Kryptowährungen lassen sich einige Anwendungsfälle finden. Ein erster Anwendungsfall kann z.B. die öffentliche Verwaltung sein. Die enormen Datenmengen der staatlichen Verwaltung über jeden einzelnen Bürger könnten in einer Blockchain mit speziell abgestimmten Smart Contracts einfacher verwaltet werden. Alle personenbezogenen Daten wie Name, Staatsbürgerschaft, Geburtstag, Steuernummer etc. können von autorisierten staatlichen Institutionen transparent auf der Blockchain eingesehen werden. Jeder Bürger könnte seine eigenen Daten anlegen, verwalten und die Daten für autorisierte Institutionen freigeben, ohne einen aufwändigen Termin beim Bürgeramt wahrzunehmen. Ein weiterer Schritt wäre, dass der Steuerzahler seine Steuerklärung über die Blockchain einreicht und anschließend seine Steuerschuld mit einer Kryptowährung digital begleicht.

Die Umsatzsteuerausfälle europäischer Staaten belaufen sich jährlich auf 150 bis 200 Milliarden Euro. Mittels Smart Contract könnten diese Steuern automatisch über eine Blockchain abgeführt werden. Obwohl die Anwendung von Kryptowährungen und Blockchain-Technologie in der öffentlichen Verwaltung noch realitätsfremd klingt, hat der baltische Staat Estland sein Verwaltungssystem tatsächlich schon auf ein dezentralisiertes öffentliches Verwaltungssystem umgestellt. Die Daten der estnischen Bevölkerung werden mithilfe der Blockchain-Technologie »X-Road« digital und dezentral gespeichert. Laut eigenen Angaben werden dadurch 99% der staatlichen Aufgaben online ausgeführt.

Verkehrsinfrastruktur

Auch andere Zahlungsverpflichtungen gegenüber dem Staat wie Strafzettel und Bußgelder könnten über das Smartphone als digitale Transaktion mit Kryptowährungen beglichen werden. Das ganze System könnte dahingehend ausgebaut werden, dass jedes Fahrzeug im Straßenverkehr eine eigene Fahrzeug-ID erhält. Sollte das Fahrzeug bei einem Verkehrsverstoß erfasst werden, könnte mithilfe von Smart Contracts automatisch eine Eintragung in das Verkehrszentralregister erfolgen und gleichzeitig das Bußgeld über eine digitale Transaktion der Kryptowährung von der zur Fahrzeug-ID zugehörigen Fahrer-ID bezahlt werden. Die Digitalisierung der Fahrzeuge und ihrer Umgebung findet derzeit in einem rasanten Entwicklungstempo statt. Im Vordergrund dieser Entwicklungen steht die Entlastung des Fahrers dahingehend, dass Fahrzeuge völlig autonom im Straßenverkehr agieren.

Der deutsche Automobilhersteller Volkswagen sieht hierfür Zukunftsperspektiven in Kryptowährungen und entschied sich für einen Einstieg bei IOTA. Der VW Chief Digital Officer Johann Jungwirth sieht in der Internet-of-Things-Kryptowährung revolutionäre Chancen in Bezug auf autonomes Fahren sowie den digitalen Zahlungsverkehr. IOTA ermöglicht das digitale Bezahlen zwischen zwei IoT-Maschinen. So könnten zukünftig z.B. Fahrzeuge selbstständig automatisch auf einem dafür vorgesehenen Parkplatz das Parkgeld bezahlen, ohne dass der Fahrer dafür ein Parkticket am Automaten kaufen muss. Auch im Bereich der E-Mobilität kann beim Aufladen von Elektrofahrzeugen eine Kryptowährung als Transaktions- bzw. Zahlungsmittel eingesetzt werden.

Versicherungsbranche

Die Versicherungsbranche wird häufig von Kunden aufgrund ihrer fehlenden Transparenz kritisiert. Die Nutzung einer Blockchain könnte fehlendes Vertrauen durch eine transparente Zahlungsnachverfolgung zurückgewinnen. Zahlungen innerhalb des Versicherungssystems wären jederzeit für alle Teilnehmer einsehbar. Große Versicherungsunternehmen meiden derzeit noch die Blockchain, während kleine Start-ups diese bereits nutzen. Das Start-up FlightDelay hat sich auf Reiseversicherungen spezialisiert. Zur Entschädigung von Kunden, beispielsweise bei einer Flugstornierung, nutzt das Start-up die Blockchain-Technologie in Form von Smart Contracts. Sobald eine Airline den Flug storniert, wird der Smart Contract ausgelöst und der Kunde erhält umgehend sein Geld zurückerstattet.

Die Frage, die sich für Versicherungen bei der Nutzung von Blockchains jedoch stellt, ist der Umgang mit sensiblen Kundendaten. Schließlich würden dann Maschinen anstatt Sacharbeiter über Versicherungsfälle entscheiden. Insbesondere im Umgang mit Gesundheitsdaten von Menschen ist dieser Schritt Richtung Digitalisierung ethisch fragwürdig.

Smart Home

Smart Home bezeichnet die Vernetzung und Digitalisierung von Gebäuden. Hierbei werden mobile und stationäre Endgeräte, also Smartphones und Computer, mit der Haustechnik gekoppelt, um den Wohn- und Lebensstandard zu erhöhen. Dadurch können Türschlösser, Lichtschalter, Heizungen, Kühlschränke und weitere Haushaltsgeräte per Endgerät angesteuert werden. Für Kryptowährungen ist der Smart-Home-Bereich ein äußerst interessanter Markt. Zusammen kann beides den Nachhaltigkeitsgedanken mit fortschrittlicher Digitalisierung kombinieren. Jedes Haus würde mit einem eigenen Wallet für Kryptowährungen ausgestattet werden. Normalerweise trägt ein Haushalt viele Einzelkosten, darunter Stromkosten, Wasserkosten, Wartungskosten, Einkäufe von Lebensmitteln etc. Statt alle anfallenden Kosten des Hauses einzeln zu begleichen, könnten nun alle Kosten zusammengefasst und als Transaktion über das hauseigene Wallet abgewickelt werden. Für die Personen des Haushalts wäre dies eine enorme zeitliche Entlastung. Da ein Wallet auf der Blockchain-Technologie basiert, wäre für alle Personen des Haushalts transparent und jederzeit einsehbar, wie hoch der Verbrauch ist.

Einige Unternehmen entwickeln bereits smarte Kühlschränke, die selbstständig erkennen, welche Lebensmittel nachgekauft werden müssen. Kryptowährungen wie Ethereum und IOTA wären hierfür ideal geeignet, indem Maschinen die Bestellungen mithilfe von Smart Contracts untereinander aushandeln und ausführen würden, ohne dass menschliche Arbeit, wie ein langer Einkauf, nötig ist. Die bestellten Waren könnten innerhalb weniger Stunden bis vor die Haustür geliefert werden. Anbieter wie Amazon Fresh oder Rewe Lieferservice sind auf dem aufstrebenden Markt für Lebensmittel-Lieferdienste bereits aktiv. Nun könnte man anmerken, dass diese Bestellungen auch mit herkömmlichen Währungen getätigt würden. Dies würde aber zwei Nachteile mit sich bringen. Es müsste ein Zahlungsdienstleister, wie z.B. VISA oder PayPal, zwischen die beiden Vertragspartner, also Haushalt und Lieferservice, geschaltet werden. Dies könnte zum einen die Transaktionskosten erhöhen, schließlich verdienen die Zahlungsdienstleister an Provisionen, und zum anderen Einschnitte in die Privatsphäre nach sich ziehen. Letzteres ist darin zu begründen, dass eine dritte Instanz jederzeit Überblick über die Einkäufe eines Haushalts erlangt. Des Weiteren wäre es unmöglich, Transaktionen wie Lebensmittel-Einkäufe und Stromkosten gemeinsam abzurechnen, wodurch den Personen des Haushalts mehr Aufwand entstehen würde.

Wie zuvor festgestellt, gilt die Sicherheit eines Wallets als extrem hoch. Hackerangriffe auf ein Haushalts-Wallet sind, zumindest was die Technologie der Blockchain angeht, nahezu ausgeschlossen. Ein deutlich höheres Risiko liegt im Smart-Home-Bereich in der Vergabe von Nutzerpasswörtern bei WLAN-Verbindungen.

 

Ein Kommentar zu “Kryptowährungen – Hier sind mögliche Anwendungsgebiete”

[…] der Allgemeinheit dienen. Die Kryptowährung wäre somit auf einen sehr kleinen, eingeschränkten Anwendungsbereich beschränkt. Die Wahl zwischen Public und Private Blockchain ist immer abhängig von den Interessen […]

Kommentar hinterlassen

 Ich habe die Datenschutzerklärung gelesen und bin damit einverstanden, dass meine Daten zur Bearbeitung meines Anliegens gespeichert und verarbeitet werden.