Initial Coin Offering (ICO) – eine echte Alternative zum IPO?

 

Initial Coin Offering (ICO) bezeichnet eine Möglichkeit für Unternehmen und Organisationen, ihre eigene Kryptowährung zu generieren und diese dann zu verkaufen. Dabei stellt ICO eine interessante Alternative zu herkömmlichen Börsengängen, Initial Public Offering (IPO) genannt, dar. In beiden Fällen erhält das Unternehmen Kapital. Die Kapitalgeber erhalten jedoch bei einem IPO Unternehmensanteile in Form von Aktien, wohingegen bei einem ICO die Kapitalgeber Token der unternehmenseigenen Kryptowährung erhalten.

Bei einem ICO erstellt ein Unternehmen seine eigene Kryptowährung. Dabei hat das Unternehmen zunächst die Wahl, seine eigene Kryptowährung auf Basis einer eigenen Blockchain aufzubauen oder eine bereits vorhandene Plattform wie Ethereum zu nutzen. Anschließend können die Käufer bzw. Kapitalgeber die neu erstellten Token der Kryptowährung des Unternehmens mit Krypto-währungen oder Fiatwährungen kaufen. Während der Anleger bei einem herkömmlichen Börsengang auf steigende Aktienkurse spekuliert, setzt der Käufer bei einem ICO auf einen steigenden Wert der Token des Unternehmens. Eine Verzinsung wie bei Anleihen gibt es nicht. Die Kryptowährung ist für den Käufer jederzeit frei veräußerbar.

ICO und IPO unterscheiden sich grundsätzlich hinsichtlich Informationsrechten und -ansprüchen. Ein ICO bietet dem Käufer der Token keine expliziten Rechte oder Besitzansprüche am Unternehmen. Bei einem IPO erwirbt der Anleger hingegen Besitzansprüche am Unternehmen. Unter bestimmten Umständen können die Token eines ICO durchaus als Wertpapier angesehen werden. Die BaFin hat sich mit der aufsichtsrechtlichen Einordnung der Token eines ICO beschäftigt und nimmt dazu wie folgt Stellung:

„Die BaFin (WA) prüft bei Token im Einzelfall, ob es sich um ein Finanzinstrument i.S.d. WpHG bzw. der Richtlinie über Märkte für Finanzinstrumente (MiFID II) oder um ein Wertpapier i.S.d. Wertpapierprospektgesetzes (WpPG) oder Vermögensanlagen nach dem Vermögensanlagengesetz (VermAnlG) handelt.“ [1]

Weiterhin stuft die BaFin die Token dann als Wertpapier ein, wenn folgende Voraussetzungen als erfüllt angesehen werden können:

  • Übertragbarkeit,
  • Handelbarkeit am Finanzmarkt bzw. Kapitalmarkt,
  • Verkörperung von Rechten im Token,
  • Token darf nicht die Voraussetzungen eines Zahlungsinstruments erfüllen.

Für ein Unternehmen ist ein ICO eine interessante Möglichkeit zur Kapitalbeschaffung dahingehend, dass das Unternehmen deutlich schneller und einfacher an Kapital gelangt als bei einem IPO. Für kleine und mittlere Unternehmen kann dies in ihrer Gründungsphase besonders attraktiv sein, da sie sich Kapital beschaffen können, ohne Unternehmensanteile abzugeben. Dies ist auch der Grund, warum ein ICO meistens von Start-ups durchgeführt wird.

Ein Beispiel für einen ICO ist das deutsche Start-up »TrustedCars Flex«. Das Unternehmen entwickelt eine Anwendung, mit der Nutzer sich Fahrzeuge von Autohäusern und Gebrauchtwagenhändlern aussuchen und anmieten können. Die Nutzer der App sollen auf versteckte Kosten und aufwändige Mietverträge verzichten können, da alles über die Smartphone-App abgewickelt wird. Für den ICO hat das Start-up 520 Millionen Token auf Basis der Ethereum-Blockchain für den freien Erwerb zur Verfügung gestellt. Insgesamt hat das Unternehmen 800 Millionen Token mit dem Kürzel »FLEX« generiert. Der Ausgabepreis liegt bei 0,07 Euro pro »FLEX« und es müssen immer mindestens 700 »FLEX« erworben werden. Auf der eigenen Website informiert das Unternehmen über die Aufteilung seiner Kryptowährung.

Verwendung der Token

Kapitaleinsatz

Quelle: ico.trustedcars.com

Demnach bietet die TrustedCars GmbH 65 Prozent seiner Token für den ICO zum Verkauf an. Die restlichen 35 Prozent, also 280 Millionen Token, werden für die Bereiche Beratung und Rechtliches, Gründer und Team, Entwicklung und Wachstum sowie als freie Prämie einbehalten.

Die Geschäftsidee dieses Start-ups folgt dem gesellschaftlichen Trend der Sharing Economy, also dem Teilen statt Besitzen von Gütern. Sollte der Nutzerkreis der Anwendung groß genug werden und das Unternehmen erfolgreich sein, bestehen für die Wertentwicklung der Kryptowährung »FLEX« gute Chancen. Vielleicht werden die Konsumenten irgendwann ihre Mietwagen mit »FLEX« bezahlen, zumindest aber über die TrustedCars-Flex-App buchen.

Voraussetzung eines ICO ist hohes Vertrauen der Anleger in das jeweilige Unternehmen. Die Investition in eine unternehmenseigene Kryptowährung birgt ein deutlich höheres Risiko gegenüber herkömmlichen Aktien. Gleichwohl besteht die Chance auf hohe Renditen durch einen Wertanstieg der Kryptowährung, wenn das Unternehmen erfolgreich am Markt agiert.

Fazit

Das Generieren einer eigenen Kryptowährung stellt insbesondere für kleine Unternehmen eine interessante Chance dar. Dieses sogenannte Initial Coin Offering ermöglicht es diesen Unternehmen, in ihrer Gründungsphase Kapital zu beschaffen, ohne Firmenanteile zu verkaufen. Die durch den ICO generierten Token stellen lediglich eine Wertanlage mit entsprechenden Nutzungsrechten der Token dar, sichern dem Besitzer aber keine Mitsprache- oder Informationsrechte am Unternehmen selbst. Dadurch unterscheidet sich ein ICO grundlegend von einem herkömmlichen IPO, bei dem explizit Firmenanteile verkauft werden.

Fußnoten

[1] BaFin Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (2018, 20. Februar). Initial Coin Offerings: Hinweisschreiben zur Einordnung als Finanzinstrumente.

 

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