Ripple, Ethereum & IOTA – Das sind die wichtigsten Kryptowährungen



In den letzten Jahren sind hunderte von Kryptowährungen entstanden. Dennoch haben sich einige von ihnen als „Big-Player“ etabliert, gemessen an ihrer Marktkapitalisierung und ihren Suchanfragen im Internet. Kryptowährungen unterscheiden sich nicht nur in ihrer technischen Umsetzung, sondern auch in ihren Ideen in Bezug auf die Nutzung durch die Gesellschaft. Nachfolgend werden ein paar ausgewählte Kryptowährungen und die dahinterstehenden Ideen vorgestellt.

Bitcoin (BTC) – die Mutter aller Kryptos

Bitcoin kann derzeit zweifelsfrei als wichtigste und bekannteste Kryptowährung angesehen werden. Wie bereits zu Beginn dieser Arbeit festgestellt, wurde im Jahr 2009 das Bitcoin-Protokoll von Satoshi Nakamoto veröffentlicht. Diese Kryptowährung hat bis heute die höchste Akzeptanz, die größte Community, die größte Marktkapitalisierung und interessanterweise auch die höchste Preisstabilität. Genau diese Stabilität ist auch ein Hauptziel der Bitcoin-Entwickler-Community. Neuerungen und Innovationen werden von ihnen hingegen eher abgelehnt.

Bitcoin verwendet als technologische Basis eine derzeit 160 Gigabyte große Blockchain, die mit jedem Block größer wird. In dieser Blockchain ist jede vergangene Transaktion zu finden und jede zukünftige Transaktion wird hier eingetragen. Die höchste Akzeptanz des Bitcoins zeigt sich unter anderem in der Anzahl von Akzeptanzstellen als Zahlungsmittel. So erlaubt es beispielsweise Microsoft inzwischen, im Windows-Store mit Bitcoins zu bezahlen. Auf der Support-Website zeigt das Technologie-Unternehmen detailliert auf, wie man Bitcoins dem eigenen Benutzer-Account hinzufügen kann.

Kritik am Bitcoin besteht vor allem in seinem gigantischen Energieverbrauch. Stromerzeugung ist natürlich vor allem für die Miner, welche für die Funktionsweise des Bitcoin-Systems essentiell sind, ein wesentlicher Kostenfaktor. Deshalb haben viele Bitcoin-Erzeuger ihre Kapazitäten nach Island verlagert, wo die Strompreise noch vergleichsweise gering sind. Für das Jahr 2018 wird prognostiziert, dass die Bitcoin-Produktion mehr Strom verbraucht als alle isländischen Privathaushalte zusammen. Anzumerken ist hierbei, dass auch das aktuelle Fiat-Finanzsystem hohe Energiekosten trägt, denn je größer ein Finanzsystem wird, umso mehr Energie wird für die Finanzprozesse benötigt.

Weiterer Kritikpunkt am Bitcoin ist die geringe Leistungsfähigkeit bei Transaktionen. Lediglich sieben Transaktionen sind pro Sekunde möglich, was die Kosten für eine Transaktion in die Höhe schießen lässt. Zahlungsdienstleister herkömmlicher Währungen wie PayPal oder VISA erreichen deutlich bessere Transaktionsleistungen. So liegt der theoretische Maximalwert von PayPal bei 450 Transaktionen pro Sekunde.

Überblick über die Transaktionsanzahl von Zahlungsdienstleistern und Kryptowährungen pro Sekunde. Quelle: www.kreditkarte.net/kryptowaehrungen

Überblick über die Transaktionsanzahl von Zahlungsdienstleistern und Kryptowährungen pro Sekunde. Quelle: www.kreditkarte.net/kryptowaehrungen

Sollte die die Nutzeranzahl des Bitcoin-Systems deutlich ansteigen, beispielsweise durch die Anerkennung als offizielle Währung in einem Staat, ist das System dem Handelsvolumen technisch nicht mehr gewachsen. Steigende Wartezeiten und steigende Transaktionskosten wären unvermeidbar, was der Idee von der Digitalisierung einer Währung widerspricht.

Litecoin (LTC) – der bessere Bitcoin?

Die Kryptowährung Litecoin ist ein Open-Source-Projekt, welches von der Funktionsweise Bitcoin sehr ähnlich ist. Diese Kryptowährung basiert ebenfalls auf der Blockchain. Es wurde jedoch versucht, die Schwächen den Bitcoin-Systems zu lösen. Litecoin ermöglicht viermal so viele Transaktionen pro Sekunde wie Bitcoin. Gerade für Online-Händler ist es ein enormer Vorteil, dass die Transaktionen alles 2,5 Minuten anstatt alle 10 Minuten bestätigt werden. Ein veränderter Algorithmus sorgt zudem dafür, dass das Mining der Blöcke verteilt auf mehr kleine Miner geschieht. Dadurch umgeht Litecoin die Gefahr der Zentralisierung wie beim Bitcoin, bei welchem eine erhöhte Gefahr von Manipulationen innerhalb der Blockchain durch den Zusammenschluss großer Mining-Rechenzentren existiert.

Bitcoin Cash (BTC)

Ein Fork bezeichnet die Aufspaltung einer Kryptowährung in neue Kryptowährungen, beispielsweise bei der Aktualisierung des ursprünglichen Blockchain-Codes. Bitcoin Cash ist das Resultat eines weiteren Bitcoin-Forks. Die Kryptowährung basiert auf der gleichen Funktionsweise wie das ursprüngliche Bitcoin-Netzwerk, erlaubt es aber, deutlich mehr Transaktionen pro Sekunde durchzuführen. Damit wird versucht, das Problem der geringen Leistungsfähigkeit bei Bitcoin-Transaktionen zu minimieren.

Ripple (XRP)

Das Transaktionsnetzwerk Ripple dient dem Finanz- und Bankensektor. Bei Ripple handelt es sich um ein Echtzeit-Verrechnungssystem auf Basis kryptografischer Algorithmen. Dieses System wird von Chris Larsen, einem Entwickler des Netzwerks, seit 2012 als mögliche Kooperation zum bestehenden Finanzsystem, insbesondere dem Interbankenzahlungsverkehr, positioniert. Im Gegensatz zum Bitcoin-Netzwerk werden keine Blocks, sondern Transaktionen bestätigt. Einige Banken, darunter die Fidor-Bank, CBW-Bank und die Cross River Bank, nutzen das Transaktionssystem bereits. Eine nicht zu unterschätzende Gefahr bei Ripple besteht darin, dass die Erfinder von Ripple die gesamten Token zu Beginn einbehalten haben. Inwiefern es sich bei dieser Kryptowährung noch um ein unabhängiges, dezentralisiertes Netzwerk handelt, ist zu hinterfragen.

Ethereum (ETH)

Ethereum basiert ebenfalls auf der Blockchain-Technologie. Im Gegensatz zur Bitcoin-Blockchain erlaubt Ethereum weitaus mehr Berechnungen und Funktionen in seiner Blockchain. Deshalb handelt es sich bei Ethereum um eine Plattform, über welche dezentralisierte Anwendungen ausgeführt werden können. Hierzu zählen z.B. Smart Contracts.

„Aufbauend auf dezentralen Anwendungen (Dapps) und dem Konzept der Smart Contracts soll das Projekt zukünftig die Codierung autonomer Agenten und dezentraler autonomer Organisationen ermöglichen. Dabei geht Ethereum davon aus, dass online wie offline ein Zusammenspiel von Verträgen, Menschen und anderen Beziehungen ist.“[1]

Die Ideen klingen derzeit noch recht revolutionär. Anzumerken ist aber, dass  Ethereum sich im Gegensatz zum Bitcoin-Netzwerk durch seine stetige Bereitschaft für Innovationen auszeichnet. Dennoch lassen sich folgende Gemeinsamkeiten zwischen Bitcoin und Ethereum feststellen:

  • Es handelt sich um Open-Source-Projekte, bei denen jeder an der Weiterentwicklung partizipieren kann.
  • Es liegt eine eigene Kryptowährung zugrunde.
  • Es wird eine Blockchain genutzt.
  • Es wird ein Proof-of-Work-Algorithmus für das Mining genutzt.

Die Währung des Ethereum-Systems heißt Ether und kann ebenfalls in viele kleinere Einheiten aufgeteilt werden, weist jedoch wie alle Kryptowährungen eine äußerst hohe Volatilität auf.

IOTA (IOT)

Nicht alle Kryptowährungen setzen auf die gleiche Blockchain-Technologie, wie sie für Bitcoin oder bei Ethereum verwendet wird. Ein großes Problem jeder Blockchain ist die erforderliche hohe Rechenleistung und die resultierende geringe Geschwindigkeit für die Transaktionsverarbeitung. Dies ist für internationale Finanzsysteme eher unzureichend. Um diesen Engpass zu umgehen, setzt die Kryptowährung IOTA auf das sogenannte Tangle. Im Gegensatz zur herkömmlichen Blockchain werden im Tangle nicht mehr alle jemals getätigten Transaktionen in einer einzigen Blockchain erfasst, sondern in mehreren Blockchains, deren Blöcke über verschiedene Wege miteinander verbunden sind. Bei IOTA wird auf den Proof-of-Work-Mechanismus des Minings verzichtet, weshalb keine Transaktionskosten für die Nutzer der Kryptowährung anfallen. Stattdessen sind zur Durchführung einer eigenen Transaktion zuvor mindestens zwei vorherige Transaktionen anderer Teilnehmer zu bestätigen. Die nachfolgende Grafik verdeutlicht dieses Prinzip des Tangle. In der Grafik steht jedes Quadrat für eine Transaktion. Jeder Pfeil steht für die Bestätigung einer Transaktion.

Struktur eines IOTA-Tangle

IOTA wurde primär für die Kommunikation zwischen zwei Maschinen im Bereich des IoT entwickelt. Die IOTA-Deutschland-Community beschreibt dies wie folgt:

„Wir stellen uns eine Zukunft vor, in der Maschinen Ressourcen (Berechnung, Elektrizität, Speicher, Bandbreite, Daten, etc.) und Dienstleistungen miteinander handeln, ohne dass Dritte daran beteiligt sind – reine Machine-to-Machine. Wenn das Internet der Dinge beginnt, sich zu entfesseln, ist der Bedarf an „Smart Decentralization“ offensichtlich.“[2]

Kritisiert am IOTA-Tangle wird, dass die Schnelligkeit der Transaktionen von der Nutzeranzahl abhängig ist. Eine hohe Nutzerzahl ist somit Voraussetzung für eine solide Transaktionsabwicklung. Des Weiteren wird den Entwicklern häufig vorgeworfen, dass die Kryptowährung noch nicht vollständig dezentralisiert ist. Stattdessen ist derzeit noch ein sogenannter Coordinator von der IOTA-Foundation im Einsatz, der bei Spamattacken oder Bugs eingreift. Dies soll in Zukunft automatisiert werden.

New Economy Movement (XEM)

Die Kryptowährung NEM mit dem Kürzel XEM basiert ebenfalls auf einem Peer-to-Peer-Netzwerk wie Bitcoin. Die Entwickler legen jedoch großen Wert darauf, dass alle Teilnehmer im Netzwerk gleichberechtigt sind und Nutzer mit höherer Anzahl der Währungseinheiten nicht bevorzugt werden. Dafür wird das Proof-of-Importance-Konzept genutzt. Hierbei stehen Transaktionshäufigkeit und Transaktionsvolumen der Nutzer im Vordergrund.  Das vom Bitcoin bekannte Mining wird durch das sogenannte Harvesting ersetzt:

„Das Harvesting ersetzt den herkömmlichen Aufwand beim Anhängen eines neuen Blocks an die Blockchain. Ein Harvester muss neben gewissen technischen Voraussetzungen seines Knotenpunktes ein Mindestguthaben von 10.000 XEM vorweisen. Wenn dies der Fall ist, ist er berechtigt, neue Blöcke zu generieren, und er erhält die aus diesem Block resultierenden Transaktionsgebühren als Belohnung.“[3]

Auch die Die Kryptowährung NEM setzt also auf eine Art Belohnungssystem. Während im Bitcoin-Netzwerk allerdings eine enorm hohe Rechenleistung für das Minen der Blöcke (Proof of Work) vorausgesetzt wird, erfordert der Proof of Importance des NEM-Netzwerks deutlich weniger Rechenleistung. Dies ist nicht nur preiswerter, sondern auch umweltschonender, da weniger Strom benötigt wird.

Stellar (XLM)

Als Resultat eines Ripple-Forks im Jahr 2014 entstand die Zahlungsplattform Stellar mit der dazugehörigen Kryptowährung Lumen. Die Non-Profit-Organisation wird vor allem durch soziale Anreize geprägt. Die Entwickler haben das Ziel, mithilfe von Stellar bargeldlose Transaktionen für alle Menschen in allen Ländern der Welt zu ermöglichen. Dabei ist es egal, mit welcher Währung man seine Transaktionen machen will, da diese bei einem Geldtransfer in die Kryptowährung Lumen umgerechnet wird. Gleichzeitig sucht das System eine passende Anfrage zum Umtausch der Zielwährung, an die der Auftrag gesendet werden kann. Ist kein passender Zahlungsauftrag zu finden, erfolgen durch Stellar mehrere Transfers, bis die Transaktion wie gewünscht ausgeführt werden kann.

Stellar bzw. Lumen gehört im Juni 2018 mit einer Marktkapitalisierung von rund 3,5 Milliarden US-Dollar zu den zehn größten Kryptowährungen der Welt.

Fußnoten

[1] Sixt, E. (2017). Bitcoins und andere dezentrale Transaktionssysteme. Blockchains als Basis einer Kryptoökonomie. Wiesbaden: Springer Gabler.
 S. 190.
[2] Kempf, M. (ohne Datum). Was ist IOTA?
[3] cryptolist.de (2018). Was ist NEM?

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