Die Entstehung von Kryptowährungen – eine historische Betrachtung

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Die Erfindung der Kryptowährung wird meistens mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto in Verbindung gebracht. Satoshi Nakamoto, dessen Identität bis heute ungeklärt ist, veröffentlichte im Jahr 2009 als Open-Source-Projekt die erste Version des Bitcoin-Protokolls. Die Ursprünge von digital-verschlüsselten Transaktionssystemen reichen einige Jahre zurück.

Erste Vorstellungen von einem anonymisierten und digitalen Währungssystem gab es bereits vor mehr als 25 Jahren durch die Gruppe »Cypherpunks«. Man kann sagen, dass diese Datenschutzaktivisten ihrer Zeit voraus waren. Sie erkannten bereits damals, dass die zunehmende Digitalisierung einen Einschnitt in die Privatsphäre des Einzelnen mit sich bringen wird. Die Kunst der Kryptografie, deren Anfänge bis ins alte Ägypten reichen, bietet sich als Lösung ideal an. Kryptografie bezeichnet ursprünglich das Verschlüsseln von Botschaften und im heutigen technologischen Sinne den Schutz persönlicher Computersysteme.

Die »Cypherpunks« entwickelten ab 1993 ein Konzept für elektronisches Geld, mit welchem Internetnutzer im digitalen Zeitalter ihre Anonymität wahren können. Die Grundgedanken des Konzepts beinhalteten Haltbarkeit, Übertragbarkeit, Teilbarkeit und beschränkte Verfügbarkeit des Geldes.

Anfänge und Ideen einer Blockchain-Technologie finden sich im Jahr 1991. Das Konzept von Stuart Haber und W. Scott Stornetta beinhaltete eine chronologische Erfassung von Transaktionen, welche in einer Datenbank gespeichert werden. Später wurden die einzelnen Dokumente nicht mehr verknüpft, sondern in Blöcken zusammengefasst und in Kettenform aneinandergereiht.

Ein erstes Peer-to-Peer-System wurde vom Unternehmen »DigiCash« in den 90er Jahren vorgestellt. Das Gutscheinsystem speicherte digitale Münzen auf der lokalen Festplatte in einem Wallet in Form einer digitalen Seriennummer. Bei diesem System lassen sich erstmals gewisse Parallelen zu heutigen Transaktionssystemen für Kryptowährungen feststellen.

Im Jahr 1997 folgte das Proof-of-Work-System »Hashcash« von Adam Back, das Computern auf kostspielige Art und Weise das Versenden von Informationen erschwert. Ziel dieses Systems war, eine Nachrichten-Überflutung, z.B. durch Spam-Mails, zu verhindern und das Handeln krimineller Akteure durch hohen Aufwand zu erschweren. Obwohl sich dieses System von Adam Back nie durchsetzte, war sein Ansatz die Grundlage für das spätere BitGold-System von Nick Szabo zwischen 1998 und 2005. BitGold stellte digitale Währungseinheiten zur Verfügung, die wiederholt genutzt werden konnten, während sich im Hashcash-System von Adam Back jede Währungseinheit nur einmalig nutzen ließ. Es kursieren im Internet Vermutungen darüber, dass der amerikanische Informatiker Nick Szabo aufgrund vieler Parallelen zwischen BitGold und Bitcoin hinter dem Pseudonym Satoshi Nakamoto steckt. Dafür würde auch sprechen, dass beide sich die gleichen Initialen teilen.

Ein weiterer bedeutender Schritt in Richtung heutiger Transaktionssysteme erfolgte 1998 mit dem Konzept des »b-money« von Wei Dai im Jahr 1998. Das Konzept sah die Schaffung einer Kryptowährung als Hashcash-Funktion sowie ein Peer-to-Peer-Netzwerk vor.

Im Jahr 2005 stellte Hal Finney das »Reusable-Proof-of-Work-Konzept« vor, welches die Ansätze von Adam Back und Wei Dai verknüpfte. Leider stand auch dieses Konzept vor dem Problem, dass die digitalen Geldeinheiten uneingeschränkt von einer dritten administrativen Person reproduziert werden konnten.

Schon in den 70er und 80er haben Währungskrisen stattgefunden, bei denen stabile Wechselkurse zusammenbrachen und folglich extreme Kapitalabflüsse stattfanden. „In einer für den Internationalen Währungsfonds (IMF – International Monetäre Fund) zusammengestellten Datenbank wurden zwischen [den Jahren] 1970 und 2007 124 Bankenkrisen, 326 Währungskrisen und 64 Staatsverschuldungskrisen auf nationaler Ebene gezählt.“ Die Welt-wirtschaftskrise ab dem Jahr 2008 tat ihr Übriges und machte vielen Menschen die Gefahren vom zentralisierten Währungssystem deutlich. Immer größer wurden die Zweifel am bestehenden Währungssystem.

Am 31. Oktober 2008 verschickte Satoshi Nakamoto sein neunseitiges Konzept eines dezentralisierten Bitcoin-Netzwerkes, welches einen weiterentwickelten Mining-Belohnungsalgorithmus beinhaltete. „Die Bitcoin Architektur verwendet kryptografische Verschlüsselungstechniken zur Regelung des Geldschöpfungs-prozesses und zur Verifizierung der durchgeführten Transaktionen.“ Dabei wird beim Bitcoin eigentlich nichts dauerhaft verschlüsselt, sondern nur kurzzeitig, zur Prüfung der Authentizität von Absendern und Unverfälschtheit von Nachrichten. Die Blöcke in der Blockchain werden nur mit einem Hash versehen, der wie ein Fingerabdruck wirkt. Man kann aus dem Hash auch nicht auf den Inhalt des Blockes schließen. Insofern handelt es sich nur mittelbar um eine Verschlüsselungstechnologie. Diese wird beispielsweise auch bei sogenannten fortgeschrittenen elektronischen Signaturen verwendet, um die Unverfälschtheit eines Dokuments zu prüfen. Beim Bitcoin muss die Blockchain nicht entschlüsselt werden, um sie zu lesen. Sie ist unverschlüsselt, denn jeder kann sie lesen. Dies ist der Grund, warum Bitcoin und anderer Kryptowährungen als äußerst transparent gelten gegenüber anderen Finanztransaktionssystemen. Mit den Hashes wird die Unverfälschtheit (Integrität) der Blöcke und der Blockfolge sichergestellt. Die Entstehung des Bitcoin-Netzwerks war Ausgangspunkt für die zahlreichen heute existierenden Kryptowährungen. Im späteren Verlauf dieser Arbeit werden Bitcoin und andere Erscheinungsformen von Kryptowährungen genauer erklärt.

Literatur

[1] Sixt, E. (2017). Bitcoins und andere dezentrale Transaktionssysteme. Blockchains als Basis einer Kryptoökonomie. Wiesbaden: Springer Gabler.